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Federnpicken – Kannibalismus

Sozialverhalten

In einer Hühnerherde gibt es immer Rangordnungsunterschiede. Wenn eine Herde neu zusammengesetzt wird werden die Rangunterschiede durch Kämpfe festgestellt. Wenn diese festgestellt sind, reichen meist Drohgesten aus um den Rang einer höhergestellten Henne zu bestätigen. Länger anhaltende Kämpfe sind sehr selten. Allerdings tritt häufig ein kurzzeitiges hacken der starken Henne und ein kurzes Aufschreien und Flüchten der rangniedriegeren Henne auf. Den „sozialen Frieden kann man daher durch die Häufigkeit des „Aufschreiens und des Flüchtens sowie durch Pickstellen am Kamm feststellen. Meistens gibt es diese Auseinandersetzungen während der morgentlichen Futteraufnahme und vor Ende des Tages auf. Weiters kann sein, dass Engpässe im Zugang zu erhöhten Ebenen (Sitzstangen) und zu Nestern von ranghohen Tieren kontrolliert werden. Hier treten dann auch Auseinandersetzungen auf.

Wenn man verschiedene Rassen gemeinsam hält, sind ausgeprägte Rangordnungskämpfe nicht zu vermeiden. Diese sollten aber in den ersten Tagen abgeschlossen sein und die Situation wird sich beruhigen. Ein Tipp ist, die Hennen erst am Abend zusammenzuführen und die Hennen mit einem stark riechenden Mittel (Essig, Alkohol, Parfum) zu besprühen. Dadurch erhalten alle den selben Geruch und die Rangordnungskämpfe werden vermindert.

Ein vermehrtes Hacken, Flüchten und Unruhe können auch durch Haltungsfehler hervorgerufen werden. Beispiele sind zum Beispiel zu wenig Fress- und Trinkplätze, Sitzstangen und sehr grelles Licht im Stall. Beschäftigungsmöglichkeiten wie Heukörbe oder eine zerwühlte Zeitung wirken ablenkend und reduzieren die Aggression.

Ruheverhalten

Abends ziehen sich die Tiere in der Regel ca. 30 min vor dem Ende der Lichtphase auf erhöhte Ebenen und Sitzstangen zurück. Dabei bevorzugen es die Hennen dicht aneinander zu ruhen. Deshalb trifft man Nachts die Hennen Körper an Körper aneinandergedrängt. Es schlafen aber nicht alle Hennen auf den Sitzstangen. Oft nächtigen 10 – 20 Prozent der Hennen am Kotkasten oder Boden. Sitzstangen sind ein bevorzugtes Rückzuggebiet der Roten Vogelmilbe. Bei einer sehr schwachen Nutzung der Sitzstangen könnte auch ein Milbenbefall verantwortlich sein, da die Hennen diese Stellen meiden.

Federnpicken

Federpicken ist keine Art der Aggression zwischen den Tieren, sondern weist auf Stress, unzureichende Beschäftigung und/oder Nährstoff- und Mineralmangel hin. Eine leichte Form des Federnpickens sind Pickschläge nach dem Gefieder, meistens nach den Schwanzspitzen, Flügeln, dem Hals und den Bürzeln. Es entstehen aber keine nennenswerte Kahlstellen. Normalerweise finden Sie in der Einstreu Federn. Wenn Sie die Einstreu beobachten und keine Daunenfedern sehen, weist dies auf eine Nährstoffunterversorgung hin. Die Hühner fressen die Daunenfedern, da diese reich an bestimmten Aminosäuren (viel Methionin) sind.

Die leichte Form kann in ein starkes Federnpicken oder Federziehen über gehen. Hier entstehen gut sichtbare nackte Hautstellen. Ein starkes Federnpicken kann weiters in Kannibalismus über gehen.

Manchmal tritt Kannibalismus auch bei voll befiederten Hennen auf (schwerer zu erkennen). Es ist meist eine Form von Kloaken-Picken. Erste Anzeichen sind tote Tiere und/oder blutige Spuren an den Schnäbeln und am Halsgefieder. Der Grund ist meist eine blutige Stelle an der Kloake, oder ein Problem bei der Eiablage. Dies ist öfter der Fall, wenn im Nestbereich zu viel Licht ist.

Eine weitere Form des Kannibalismus ist das Zehenpicken (es ist noch schwerer zu erkennen). Ursache ist meist ein Nährstoffmangel im Futter, zu wenig Beschäftigung und zu viel Licht.

Gegenmaßnahmen

 Sollten sie starkes Federnpicken beobachten, gibt es drei Möglichkeiten. Eine Nährstoffunterversorgung (meist Eiweiss), Langeweile oder viel zu viel Licht. Bei einer Nährstoffunterversorgung müssen Sie auf ein nährstoffreicheres Futter umsteigen, sowie die Zugabe vonMinteralstoffen und Vitaminen überlegen. Praktiker im Bio Bereich mischen in solchen Fällen 2-3 % Bierhefe in das Futter ein (reich an Methionin und Vitamin B). Sollte ein akutes Problem mit Federnpicken bestehen, geben Sie neben einem besseren Futter zusätzlich noch Pflanzenmagarine. Einfach den Deckel öffnen und in den Tierbestand stellen (Vorschlag Dr. Peter Hiller). Warum Magarine wirkt, ist umstritten. Es können die Fette oder nur der Salzgehalt in der Magarine helfen.

 Da Federnpicken auch eine Form von Langeweile sein kann ist es sinnvoll den Hühnern Beschäftigungsmöglichkeiten anzubieten. Bewährt haben sich zerwühlte Zeitungsblätter oder kurz geschnittenes Heu (kein langes Heut!). Weiters empfehlen wir in solchen Fällen Maissilage, kleine rohe Kartoffeln (das Gift Solanin gibt es bei Hühnern nicht), Runkeln oder Rüben breit in die Einstreu zu geben. Dies hat einen Beschäftigungs- und zusätzlichen Fütterungseffekt.

 Ein weiterer Grund für vermehrtes Federnpicken ist die Lichtstärke. Wenn Ihr Stall große Fensterflächen in Richtung Süden oder Westen aufweist, sollten Sie den Lichteinfall etwas „dimmen“. Dies kann mit einem leichten roten, orangen Tuch passieren oder mit Farbe. Rotes Licht wirkt auf das Geflügel beruhigend.